Legasthenie - Dyskalkulie - AD(H)S - Hochbegabung

Hier entsteht in den nächsten Monaten eine neue Seite zum Thema "Leseförderung" - "Lese-Coaching" (Stand 05.05.2011)


 

Meinen Vortrag vom 05.10.2010 

"Lese-Coaching für Eltern legasthener Kinder - Leseförderung zu Hause"
in der Bücherinsel in Dieburg nehme ich zum Anlass, das Thema Leseförderung hier gesondert aufzugreifen. 

Kerstin Haugrund



"Lesen lernt man durch Lesen"

Für den Erwerb der Lesekompetenz ist entscheidend, ob und wie viel gelesen wird. Dies mag zunächst ernüchternd klingen für Jemanden, dessen Kind große Schwierigkeiten mit dem Leselernprozess hat, dessen Kind bereits völlig entmutig ist und das Lesen üben ablehnt oder gar verweigert.    

 

Allerdings lässt sich ermutigend hinzufügen:
Ein Gehirn, das lesen gelernt hat, kann nicht mehr NICHT lesen
(sog. Stroop-Effekt- siehe nebenstehende Abbildung).


Ein Kind mit Leseschwierigkeiten befindet sich aufgrund seines Misserfolgs in einer motivationalen Abwärtsspirale: Es hat eine negative Einstellung zu seiner Leistungsfähigkeit, dies führt zu einer Abwehrhaltung, zu weniger Anstrengungsbereitschaft, zu weniger Ausdauer - und letztlich zu neuerlichen Misserfolgen. 

Hier gilt es, die Lesemotivation zu fördern. Denn:

"Leseschwierigkeiten haben von Beginn an die Tendenz, sich zu verfestigen. Je länger sie andauern, desto schwieriger wird eine Intervention, da die Diskrepanz zwischen Kindern mit Leseschwierigkeiten und normalen bzw. guten Lesern immer größer wird. Daher sind Interventionen umso vielversprechender, je früher sie ansetzen." (vgl. Klicpera/Schabmann/Gasteiger-Klicpera, "Legasthenie" S. 235) 


Aus eigener positiver Erfahrung möchte ich Sie ermuntern, über einige Wochen ein gezieltes Lesetraining (täglich etwa 10 - 20 Minuten) mit Ihrem Kind durchzuführen.

Wählen Sie geeignetes Lesematerial nach Fähigkeiten und Neigungen des Kindes aus. Damit das Lesetraining nicht zu ermüdend und langweilig wird, sollten Sie unterschiedliche Lesetechniken (Paired Reading, Echolesen, Fingerpoint reading u.a.) einsetzen.

Ein wesentlicher Baustein zur Förderung der Lesemotivation sind Lernstandsmessungen als Erfolgskontrollen, die dem Kind seine Fortschritte aufzeigen.

 

... Fortsetzung folgt.

 


ERKENNTNISSE aus der NEUROBIOLOGIE und der LESEFORSCHUNG:


Gehirn: Neuronale Entwicklung

Um lesen zu können, muss jedes
Gehirn lernen, neue Schaltkreise durch Verknüpfung 'älterer' Regionen zu bilden, die ursprünglich für andere Dinge (Objekterkennung, Abrufen von Bezeichnungen) angelegt und genetisch programmiert worden waren.

Bei Legasthenikern erzeugen einige Gene in Strukturen, die für das Lesen benötigt werden, mehrere abweichende Muster der neuronalen Entwicklung, was zur Schaffung ganz neuer, nicht so effizienter Schaltkreise führt
(vgl. Maryanne Wolf: "Das lesende Gehirn" S. 196 und S. 226).



 

 


Zeitleiste des Lesens bei Legasthenie, 
Quelle: Maryanne Wolf, Das lesende Gehirn, S. 219 


 


 

 

Lesen lässt Nerven wachsen

Intensive Leseförderung verbessert bei Kindern den Datenaustausch zwischen verschiedenen Gehirnbereichen, indem die dafür verantwortlichen Nervenfasern zunehmen. Für die Verbindung von verschiedenen Gehirnbereichen sorgt vor allem die weiße Gehirnsubstanz. Lesen verändert demnach das Gehirn nicht nur in der grauen Substanz, wo die Nervenzellen selbst sitzen und Wissen gespeichert wird, sondern auch in der weißen Substanz, was zu einer deutlichen Verbesserung auch anderer kognitiven Leistungen führt.  

Quelle Bild: T. Keller, M. Just, unter www.nimh.nih.gov 

-> siehe n-tv.de Wissen, 26.01.2010, http://www.n-tv.de/wissen/Lesen-laesst-Nerven-wachsen-article697266.html 
-> siehe Oringinalquelle: Dr. Thimothy A. Keller und Dr. Marcel Just, Carnegie Mellon Universität, Pittsburgh, vgl. National Institute of Mental Health unter
http://www.nimh.nih.gov/science-news/2009/behavioral-training-improves-connectivity-and-function-in-the-brain.shtml

 


  

Förderung der Leseflüssigkeit durch gleichzeitiges gemeinsames Lesen "Paired Repeated Reading" (Lautlese-Tandems)
-> siehe
"Interventionsstudie an der Uni Frankfurt"
-> siehe auch "Forschungsüberblick: Leseflüssigkeit (Fluency) in der amerikanischen Leseforschung und -didaktik" von  Prof. Dr. Cornelia Rosebrock und Daniel Nix

 


 

TIPPS ZU LESEMATERIAL und  COMPUTERPROGRAMMEN


Erleichtert den Leselern-Prozess: Färbung der Silben
Mit einer Leseprobe können Sie testen, ob Ihr Kind von der unterschiedlichen Färbung der Silben beim Lesen profitiert:
Leseprobe hier 
 bzw. erhältlich unter
->
http://www.mildenberger-verlag.de/page.php?modul=HTMLPages&pid=337 
-> dort auch weitere Leseproben für "Tiergeschichten mit Mia und Mio"

Anmerkung: Die Altersangabe ist relativ und letztlich abhängig von der erreichten Lesestufe des Kindes, d.h. das Lesebuch 2 ist durchaus noch bei Kindern im Alter von 10 Jahren einsetzbar. 

  

Für eine frühen Phase des Lese-Lernprozesses auf Wortebene (Silbentraining):

Computerprogramm(e) zur Förderung der Lesegenauigkeit und Lesegeschwindigkeit (Das Kind kann damit nicht alleine üben) "Lesikus"
-> siehe unter
http://www.lesikus.com/web/index.php?option=com_content&task=view&id=2&Itemid=3

 

Auch in einer späteren Phase des Lese-Lernprozesses auf Satzebene (Erkennung längerer Wortsegmente auf einen Blick) gut einsetzbar ist:
Lese-Lernsoftware von celeco
-> siehe unter www.celeco.de

Anmerkung: Generell ist der Einsatz von Computerprogrammen m.E. nur ein möglicher (kleiner) Baustein in der Leseförderung, der zu einem gezielten Training bestimmter Funktionen nützlich sein kann - besonders wichtig bleibt das Lesen / Vorlesen aus Büchern, Zeitschriften u.a.